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Dort ist es verborgen, dort muss es liegen, das Wissen und all das, was sie sich ersehnte. Vielleicht in kleinen Ritzen in der Wand oder vereinsamten Flecken, die an
Dinge erinnern wollen, die verloren worden sind.
Jeder Schritt führt sie dort hinein, jeder Moment ist ein Neuanfang, diesmal vielleicht mit einem Ende. Auch ohne das Wissen und ohne die erfüllten
Sehnsüchte, die aus den Wänden atmen, gibt es einen Weg, doch er ist dunkel und leer; frustrierend zu sehen, wie er sich verjüngt und am Ende
nicht einmal mehr Raum für die tastenden Finger lässt.
Sie will dort hinein.
Ein hoher Raum. Ohne Stuck. Stuck gehört nicht zu den Dingen, die sie mag, er gehört in die alte Zeit ihrer Verwandten. Er ist zu verspielt, er ist zu viel
Ablenkung, zu viel zu sehen, doch keinerlei Gefühl. Langsam tastet sie mit den neugierigen Fingerspitzen die Wand ab und schiebt ein Bein vor. Langsam,
langsam. Denn die erfüllten Sehnsüchte sollen nicht erschreckt werden, sie sind wie eilige Igel im Spätherbst bei Nacht, die steinige Wege in
großer Geschwindigkeit überqueren, um in den Dornenbusch zu fliehen, vor fremden Schritten und erregt flüsternden Stimmen. Sie ist sicher, dass
die Sehnsüchte sie spüren, so wie sie sie spürt. Und das Wissen, nach dem sie strebt, scheint einen leichten Nebel zu bilden, der unterhalb der
hohen Decke liegt und wartet, weil das Wissen warten kann.
Ein hoher Raum, der nach Mandarine riecht. Ein wohliger Duft, der ein Lächeln auf die Lippen der Erinnerung zaubern kann, Erinnerung an Dinge, die in
geheimen Schachteln versteckt liegen und die nicht zugelassen werden können, wenn man die Schwelle zur Erwachsenenwelt überschritten hat. Es ist
eine kleine Tür, die dorthin führt, die alles ändert und plötzlich die Zeit rasen lässt, auch wenn sie stillsteht. Doch da sind geheime
Bilder – bisher unter Tüchern versteckt, die vor Staub schützen sollen –, die der Duft einer Mandarine enthüllt. Sie tauchen in Schwärmen
auf, wie Insekten auf Sommerwiesen, die sich tummeln, um die beste Blume zu erreichen. Und wie die Insekten sind die Bilder bedrohlich und leicht, liebenswert
und beängstigend, wunderschön und abstoßend. Und sie verwirren sie, da sie doch die Tür, die über die Schwelle führt, schon
lange hinter sich hätte zuschlagen lassen sollen. Hinter sich zugeschlagen hatte – oder?
Ein hoher Raum, der nach Mandarine riecht, mit einem Foto an der Wand. Wundersam, wie es sich in eine Ecke zurückgezogen hat, nur ein kleines, einzelnes
Bild, in einer unbeachteten Ecke. In einem schillernden Rahmen, der den Glanz verloren hat über die Jahre, den kein Tuch schützt vor dem Staub, er
legt sich wie Schnee auf Brotkrumen und verbirgt den Weg zurück. Sorge um das Bild schleicht an ihren Beinen empor, gibt es denn niemanden, der den
Staub entfernen könnte, die Ecke beachten und das Foto schützen möchte? Oder sie …? War sie die Einzige, die dieser Ecke mit dem Foto
seinen Glanz zurückgeben konnte? Und das, was sie ersehnte, nach dem sie sich verzehrte in stillen Stunden, in denen die Tür hinter der
übertretenen Schwelle in ihren losen Angeln leise quietschte – war es hier verborgen?
Ein hoher Raum, der nach Mandarine riecht, mit dem Foto einer Toten an der Wand.
Aufgebahrt liegt sie da, einsam in ihrer Unberührbarkeit. Unbekannt. Ignoriert und nun verloren. Verstaubt. Und verborgen. Doch sie kann ihr Gesicht lesen.
Nur sie kann es lesen.
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