Donnerstag.

„In meinem Kopf ist schon Donnerstag.“

„Lousianne!“, ruft Peer und fühlt sich unbewegt. Der Name setzt Raureif an auf seinen Lippen und bedeckt den Boden mit buntem Laub, während L. auf dem Boden nach einem Wochentag sucht. Peer lächelt leise, still. Verschwiegen. L. beugt sich über die Eisenbahnschranke und lässt den linken Fuß in die Höhe schweben. Jahrmarkt-Luftballons. Wenn sie Bahnen ziehen, legt sich stilles Staunen über den Boden. Darunter: L. reckt den Hals nach oben, in den Himmel, in Weiten, die sie nicht begreifen kann. Dann zurück auf die Erde. Auf der Suche nach einem Wochentag.
„Lousianne! Leg den Hut ab.“, sagt Peer ein bisschen außer Atem, weil er zu ihr gerannt ist, am Fuß des Eisenbahnhügels entlang und dann hinauf. Seine Hände suchen nach Nähe. Verspielt. Als wäre dies hier das Ende der Welt. Im Eisenbahnhäuschen glüht eine Pfeife und flirrend steigt Rauch aus dem Fenster in den Himmel hinein. L. beugt sich weiter vor, der Hut versinkt im Gras. Wie konnte man nur die Suche vergessen für die Weite des Himmels.
„Ich mache das nicht für dich.“
Ja. Das weiß er. Am Kamin sitzen Geheimnisse, die nie gelüftet werden würden. Peer kann sie sehen und doch nie erkennen. Peer sei zu bleich, sagt seine Großmutter, Peer sei zu unberührt. Nicht wie L., die unauswaschbare Flecken auf ihrem Kleid herumträgt wie Parfümflakons oder den Beweis für Reichtum. Pah!, sagt Peers Großmutter, und damit ist genug gesagt. L. nickt in einem unheimlichen Takt und reckt den Finger in die Höhe.
„Lousianne! Lass uns nach Hause gehen!“, sagt Peer mit Raureif in der Stimme und sehnt sich nach Honig auf den Lippen, damit L. sich nach ihm umsieht oder ihn hört und ihre köstliche Hand nach seiner ausstreckt, so, wie er es in seinem Traum gesehen hat. Davon hat er L. noch gar nichts erzählt, den Traum hat er zunächst mal an den Kamin gesetzt und L. hat sich schon lange nicht mehr um den Kamin gekümmert. Der Kamin muss ausgefegt werden und die Asche wird in alle Winde verstreut, damit die Winde Geschichten haben, die sie auf dem Deck großer Schiffe erzählen können. Und jeder, der sagte, der Wind erdenke seine Geschichten selbst, lügt. Denkt Peer. Weil er glaubt, es zu wissen. L. beugt sich jetzt bedenklich tief herab, hält aber immer noch den Finger hochgereckt über den Kopf und wippt im unheimlichen Rhythmus.
„Eines Tages wird eine Frau kommen, die eine neue Wahrheit kennt.“, denkt Peer und behält das lieber für sich.

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